America first: Trump und kein Ende

America first: Trump und kein Ende: Zukunft Protektionismus: wohl kaum

HSH+S, 29.1.17: Heute, an einem Sonntag (wie schön), meldet die deutsche Industrie, die protektionistische Politik von Donald Trump könnte bis zu 1.6 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland kosten. Schamlos, denn, nicht „die deutsche Industrie“, mehrheitlich die Automobilhersteller und deren Zulieferer melden sich zu Wort. Warum nur?!

Weil diese seit 5 Jahren von einigen wenigen Wettbewerbern an der Nase durch den Ring gezogen werden, Zukunft in 5 Jahren völlig offen. Renault erschließt sich mit Dacia einen Massenmarkt, auf den VW nur mit Betrug reagiert, Tesla, ein Startup, macht vor, wo die Reise für alle hingeht. Da kommt es doch gerade recht, wenn wahrscheinlich bald zu vermeldende Sozialpläne einen Schuldigen bereits ankündigen. Doch nicht Donald Trump ist der Schuldige, ein schlafmütziges und arrogantes Verhalten der Konzernlenker ist allein verantwortlich für zukünftige Entlassungen. Den bevorstehenden Massenmarkt für billige Autos konnte man bereits vor 15 Jahren in Indien erkennen, dass die Elektromobilität kommen wird, steht ebenso bereits seit über 10 Jahren fest, denn Linde erkannte früh, dass Wasserstoff im Massenmarkt gegen die Sonne keine Chance haben würde. Automobilhersteller und gezwungenermaßen auch Motor- und Getriebeentwickler jedoch sonnten sich in steigenden Absatzmärkten. Fast die Hälfte der Wertschöpfung eines heutigen PKWs wird zukünftig wegfallen. Sich dieser Entwicklung endlich und mit Hochdruck zu stellen, das haben selbst die großen Automobilhersteller heute begriffen.

Und, was soll die Angst vor Protektionismus, vor „America first“, vor „Trumpaggedon“ und „Trumpmania“. Warten wir doch erstmal 2017 ab. Setzen die Amerikaner tatsächlich alles so um, dann werden ab 1.1.2018 zunächst Alphabet bzw. Google, Facebook, Apple, Amazon und Microsoft nach chinesischem Vorbild in Europa gesperrt oder gestört und müssen zudem Gewinne dort wo sie entstehen versteuern. Windows, Android und iOS werden durch europäische Produkte ersetzt, Facebook weil reguliert uninteressant, usw. Deutsche bzw europäische Startups und der Handel freuen sich, endlich kann sich Wettbewerb entwickeln. Europa wächst zusammen. Und die USA? Die wird zunehmend zum Eiland, wirtschaftlich und politisch unbedeutend.

Haha! Brauchen Sie noch mehr „alternative Fakten“? Sie denken, das ist Science fiction? Eindimensional? Populistisch? Sie haben Recht. Aber Sie werden mir auch zustimmen, keiner will diese Entwicklung, insoweit wird auch Herr Trump erkennen, dass er mit seiner Politik „USA small“ machen wird und damit sich selbst klein. Die deutsche Automobilindustrie wird also etwas Zeit bekommen, der US-Protektionismus wird uns nicht ganz so hart treffen. Die 14% Autoexporte werden vielleicht kurzzeitig auf 10% fallen. Aber vergessen wir nicht, für dieses Ziel hat VW ja glücklicherweise bereits erfolgreich und skandalös mit anderen Mitteln gekämpft. Ich bin also felsenfest überzeugt, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Sarkasmus, ja, da treffen Sie voll ins Schwarze! 😉

Ein Kommentar für den Beitrag “America first: Trump und kein Ende”

  1. Alex R.

    Diese Woche hatte ich ein interessantes Déjà-vu mit Erich Sixt auf dem Kongress der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall. Herr Sixt nämlich sprach sich sehr deutlich für die Wasserstoff-Technologie aus. Seine Begründung: Reichweite und Infrastruktur sind nicht geeignet für einen Massenmarkt, als Beispiel nannte er die Innenstadt von München. Wo sollten dort die vielen Kleinwagen auf ebenso viele Ladestationen treffen, so seine Frage in das Publikum des Gipfels. Sixt betreibt heute u.a. 1000 Elektroautos, die laut ihm sehr häufig wegen leerer Batterien stehen blieben.

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