Gibt es den Fachkräftemangel wirklich?

In den letzten Jahren dominiert das Thema des Fachkräftemangels die öffentlichen Debatten. Doch was ist wirklich dran? Lange wurde prognostiziert, dass aufgrund des fortschreitenden demographischen Wandels und der somit sinkenden Zahl an erwerbstätigen Menschen eine immer deutlichere Lücke im Bereich der Spezialisten und Fachkräften klaffen würde.

Sicher stimmt es, dass die Zahl an qualifizierten Fachkräften in Deutschland über die nächsten Jahrzehnte sinkt. Wesentlich weniger Junge rücken nach und es könnten über kurz oder lang nicht alle Schlüsselpositionen in den Unternehmen neu besetzt werden. Aber werden in Deutschland tatsächlich Millionen Arbeitskräfte fehlen? Ist die Wirtschaft dadurch wirklich ernsthaft bedroht?

Industrie 4.0 und die fortschreitende Digitalisierung sind nur ein Beispiel für eine Gegenbewegung. Hierzu werden immer wieder Stimmen laut, die behaupten, dass bis zur Hälfte aller Arbeitsplätze gefährdet seien. Die Arbeitswelt wird sich zunehmend verändern, in welchem Maße ist nur zu erahnen, doch es wird nicht nur Taxifahrer, Monteure etc. betreffen. Auch Berufe im Pflege-, Verwaltungs- und Finanzsektor werden betroffen sein. Maschinen, Roboter und automatisierte Lösungen werden menschliche Arbeitskraft ersetzen. In vielen Bereichen werden hochvernetzte, mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Systeme, die fehlerfrei und rund um die Uhr arbeiten, eingesetzt werden. Doch nicht immer und überall ist der Mensch ersetzbar. Ebenso sind die zu erwarteten technischen Herausforderungen und Kosten schwierig abzuschätzen.

Auch die Zuwanderung, sei es innereuropäisch oder durch Flüchtlingswellen, wird gerne als Lösung für den Fachkräftemangel in Ansatz gebracht, doch dies bedarf einer wesentlich besseren Integration und einer Vermeidung ungenutzter Arbeitspotenziale.

Durch die Veränderung der Altersstrukturen in der Gruppe erwerbstätiger Menschen wird es zunehmende Anforderungen an das Bildungssystem geben. Trainingsprogramme zur Steigerung der kognitiven Fähigkeiten werden ebenso nötig wie Studien- und Ausbildungsprogramme von Universitäten für Ältere. Auch das Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen, doch durch den medizinischen Fortschritt kann der Alterungsprozess verlangsamt werden.

Liegt die Grundlage vielleicht in einer verbesserten Bildung und Integration von Frauen, Älteren und Migranten? Können so Auswirkungen des demografischen Wandels und der Digitalisierung abgeschwächt werden? Definitiv bleibt es spannend und ich bin neugierig darauf, was Zukunft bringen wird…

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