Entgelttransparenzgesetz – ein Fehlgriff?

Entgelttransparenzgesetz – Förderung oder staatlicher Fehlgriff?

HSH+S, 31.01.2017: Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter Führung der SPD hat in den vergangenen Wochen einen Gesetzesentwurf zur Lohngerechtigkeit erarbeitet und diesen parlamentarisch auf den Weg gebracht. Dieses sogenannte Entgelttransparenzgesetz (EntgTransG) soll es Mitarbeitern in Unternehmen ab einer Größe von 200 Mitarbeitern ermöglichen, sich über die Gerechtigkeit der gezahlten Löhne zu informieren. Vornehmliches Ziel ist die gehaltliche Diskrepanz zwischen Männern und Frauen auszugleichen. Somit kann ein Mitarbeiter Auskunft über die Gehälter der Kollegen einholen und Anspruch auf Ausgleichszahlung geltend machen, wenn mindestens 5 Kollegen bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit mehr Lohn erhalten. Dies ist sogar rückwirkend bis zu drei Jahren möglich.

Darüber hinaus werden große Unternehmen gesetzlich dazu verpflichtet, ein Prüfverfahren zur Lohngleichheit vorzunehmen.

Die SPD argumentiert mit einem Lohnunterschied von 21 % zwischen Männern und Frauen und macht es sich bei der Errechnung ziemlich leicht. Diese Zahl kommt nämlich zustande, weil sämtliche Bruttogehälter von Männern und Frauen über alle Branchen, Qualifikationen, Positionen, Dienstalter, Arbeitsplatzanforderungen und Beschäftigungsumfänge zusammen gefasst wurden und somit ein verfälschtes Bild abgeben. Der bereinigte Lohnunterschied liegt bei lediglich 7 % und verschafft Deutschland einen guten Platz im europäischen Vergleich.

Obwohl die Bundesregierung seit vielen Jahren dafür wirbt, mehr Mädchen und Frauen für MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu begeistern, ist der Prozentsatz weiblicher Ingenieure immer noch vergleichsweise gering (28 %). Im Gegensatz dazu haben annährend 80 % der weiblichen Absolventinnen ein sozialwissenschaftliches oder kunstgeschichtliches Studium vorgezogen. Es dürfte klar sein, dass man in diesen Berufszweigen deutlich weniger verdient als in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen. Auch hier ergeben sich somit große Unterschiede.

Auch die Arbeitszeit beeinflusst das Gehaltsnivau, denn viele Frauen arbeiten in Teilzeit und wer wegen der Kinder eine Auszeit nimmt verdient ebenfalls weniger, da sich eine durchgängige Karriere positiv auf das Gehaltsnivau auswirkt.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren, verglich das Institut der deutschen Wirtschaft Gleiches mit Gleichem, rechnete Teilzeitbeschäftigung, Bildungsstandard und Dauer der Betriebszugehörigkeit sowie familienbedingte Auszeiten ein und kam auf eine Differenz von nur 2 %. Klar muss man verdeutlichen, dass ein Vergleich zwischen Mann und Frau, bei dem alle Faktoren außer dem Geschlecht nahezu identisch sind, fast unmöglich ist.

Ein kleiner Unterschied ist auch damit zu erklären, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen häufig bescheidener auftreten als Männer und entsprechend weniger aushandeln.

Außerdem ist fraglich inwieweit Mitarbeiter mit einer höheren Leistungsbereitschaft nicht auch einen Anspruch auf bessere Bezahlung haben, denn warum sollte ein Low-Performer genauso viel verdienen wie ein Leistungsträger. Ebenso bleibt abzuwarten, ob das Gesetz Arbeitnehmer tatsächlich dazu ermuntert ihren Arbeitgeber zu verklagen und im schlimmsten Fall ihre berufliche Laufbahn im Unternehmen auf´s Spiel zu setzen.

Eine Diskussion um die finanzielle Gleichstellung von Männern und Frauen sehe ich kritisch, da die tatsächlich monetäre Angleichung nicht notwendig ist, sondern vielmehr strukturelle und kulturelle Probleme in Unternehmen beseitigt werden sollten, die es Frauen ermöglichen Karriere zu machen oder auch verstärkt Familie und Beruf zu vereinbaren. Auch der Mehranteil an Bürokratie, den dieses Gesetz mit sich bringt ist nicht zu vernachlässigen – ebenso wie das spürbare Misstrauen der Politik gegenüber den Arbeitgebern.

 

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